Ingo Metzmacher + die Philharmoniker

Seite

Ein Volle(r)-Metzmacher-Event am 24. Januar 2013 in der Philharmonie im Gasteig

Mitten in die Diskussion um den neuen Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev, platzt ein Konzert, das die Erwartungen vieler an einen neuen Dirigenten bündelt wie ein Laserstrahl die Energie des Lichtes. Der Hannoveraner Ingo Metzmacher, ehemals GMD in Hamburg und Dirigent des am 9. März dieses Jahres startenden „Ring des Nibelungen“ am Grand Théâtre Genève (Regie: Dieter Dorn, Ausstattung: Jürgen Rose, Dramaturgie: Hans Joachim Ruckhäberle), serviert Alban Berg, Gustav Mahler, Hans Pfitzner und Richard Wagner. Eine musikdramaturgisch klug durchdachte Zusammenstellung, die in der Abfolge die Söhne bzw. Enkel vor dem Urvater positioniert.

Die drei „Orchesterstücke op. 6“ von Alban Berg sind im zeitlichen Umfeld der ersten „Wozzeck“-Konzeption entstanden (1913 -1915). Der Knalleffekt am Ende des dritten Stückes „Marsch“ reißt in „Haut-den-Lukas-Manier“ auch den letzten Zuhörer aus seinem nachfeierabendlichen Dämmern.

Perfekt geweckt für die „Kindertotenlieder“ von Gustav Mahler aus den Jahren 1901 bis 1904. Der wundervoll weiche und samtene Bariton Michael Volles trifft die zarte, verzweifelt-liebende Atmosphäre dieser Lieder in selten gehörter Genauigkeit. Der Funke springt über auf das gebannt lauschende Publikum.

„Sieh uns nur an, denn bald sind wir dir ferne!
Was dir nur Augen sind in diesen Tagen:
in künft‘gen Nächten sind es dir nur Sterne.“

Nach diesem Ende des zweiten Liedes: Kein Betriebsausflugsgeräusch der Lungenheilanstalt, sondern — Ruhe.

Im zweiten Teil des Konzertes wieder „volle Kanne“. Orchester in großer Besetzung. Hans Pfitzner. „Palestrina. Musikalische Legende in drei Akten.“ Die Vorspiele zum 1., 2. und 3. Akt klingen nach einem Amalgam aus Strauss und Mahler. Der ganz eigene Pfitzner-Ton eben. Sie sind, wie so vieles in der neueren Musik, eines mehrfachen Hörens würdig. Je öfter man sie hört, desto mehr Geheimnisse, Querverbindungen und Assoziationen geben sie preis oder rufen sie hervor.

Darin ähnlich „Wotans Abschied und Feuerzauber“ von Richard Wagner. Diese zentrale Szene des „Ring“ aus der „Walküre“, beschließt den Abend. Und nocheinmal hört man den außergewöhnlich cremosen Bariton von Michael Volle, der sowohl den zart-melancholischen Abschiedston Wotans gegenüber Brünnhilde beherrscht, wie auch den zunächst einmal das eigene Ich betäubenden Befehlston, wenn er Loge anweist, den Feuerring um die Lieblingstochter zu schließen.

Zusammengehalten wird der Abend durch einen Dirigenten Ingo Metzmacher, dem zuzuschauen eine Freude ist. Orchester, Taktstock, Körper und Sänger bilden eine harmonische Einheit. Die Bewegungen Metzmachers entsprechen in ihrer Exaktheit, Bestimmtheit und Geschmeidigkeit der Stimme des Solisten.

Fazit: Einer jener berauschenden Abende, die man nicht erwartet, die aber beglücken, eben weil sie sich so unplanbar ereignen und einen aus dem Alltagstrott reißen, mit dem man sich schon fast abgefunden hat. Man spürt in solchen Momenten, daß man tatsächlich lebt.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s