Wer ist der Kerl? – Miniplot 3

Standard

Mist!
Wer glotzt mich denn da an wie ein Raubtier auf Beutezug. Ich weiß noch, Jack the Ripper, das Krokodil im Nationalpark in der Nähe von Cairns, guckte genauso. Jack wirkte verschlafen, konnte aber blitzschnell vorschießen, wenn der Fleischbrocken hingeworfen wurde. Jack zieht sich ans Waschbecken heran, fletscht die Zähne. Altersgelb. Grapscht nach der Zahnbürste, schmiert Zahnpasta drauf und schiebt sie sich in den aufgerissenen Rachen. Rrrrrrr. Eine elektrische Zahnbürste. Hmm! Geiles Gefühl am Zahnfleisch. Orales am Morgen erspart Kummer und Sorgen. Jack schließt die Augen und träumt. Gebratener Speck. Eier. Würstchen. Brasilianischer Kaffee. Rrrrschtttt. Das Elektroding hat seinen Dienst getan. „Okay, ist soweit!“, tönt es aus der Küche. Die Ripperine hat das Frühstück fertig. Und bevor sie das Tablett auf den Tisch stellen kann, ist Jack schon aus dem Badezimmer geschossen und sitzt nun mit gierigen Augen und blitzenden Zähnen beim Frühstück. Den Unsympath aus der Naßzelle würde er erst morgen wieder zu sehen kriegen. Er hatte ihn noch nie gerne gewaschen.
Mhmpffff.

Rendezvous mit der Zukunft – Miniplot 2

Standard

For the english version click here

Da war diese Flasche. Hahaha, wie komisch. Hollywoodlike. Message in a bottle. Ich war guter Dinge, als ich sie öffnete. Dann passierte etwas Merkwürdiges. Das Glas wurde plötzlich geschmeidig wie Gummi. Es war auch kein Zettel drinnen, sondern eine ganze Akte. Der Titel: ICH. Mein Herz begann zu rasen. Ich hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ich musste mich auf das Handtuch setzen. ICH, aber das bin ja ich, dachte ich. Blöd. Das kann gar nicht sein. Ich mein, ich bin zwar ich. Aber wer soll schon wissen, daß ich hier sitze, und mir diese Flasche schicken. Meine Hände zitterten, als ich die Akte ICH aufschlug. Was ich sah, ließ mir den Schweiß auf die Stirne treten und das Herz bis in den vorderen Stirnlappen hinein schlagen: Mein Sarg! Daneben ein Foto von mir als alter Mann. Deutlich zu erkennen. Ich bin doch erst 34. Der Kerl mußte aber mindestens 75 sein.
weiterlesen

Cold Honey – Miniplot 1

Standard

Cold Honey (for english version click here)

Ich saß an einem Autobahnparkplatz und konnte nicht weg. Eine Kette zurrte mich an der Leitplanke fest. Es gab kein Entkommen. Ich machte mich deutlich bemerkbar. Doch niemand schien an diesem verflucht kalten Tag von mir Notiz zu nehmen. Außer einem Wolfshund. Der stürzte sich auf mich. Flucht? Daran war nicht zu denken. Die Kette! Also schmiß ich mich auf den Rücken. Das hätte ich mal lieber lassen sollen. Denn der Wolfshund tat das, wovor mich meine Mutter immer wieder gewarnt hatte. Er biß mir in die Gurgel. Nein, er versuchte es. Bevor es zum finalen Durchbiß kam, war ein fürchterlich schreiender Mensch hinter oder über ihm und riß ihn von mir. Unglücklicherweise hing ein Stück meiner Haut noch zwischen seinen Lefzen. Und ich blutete an meiner Kette hängend.
weiterlesen