Der Kritiker bellt und die Kunstsau grunzt

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Das Bayerische Staatsballett bringt „Der gelbe Klang“. Ein Dreiteiler mit einer Theaterinstallation und zwei Choreographien.

Namensgeber des Abends ist das recht verschwurbelte Manifest oder Stück des Malers Wassily Kandinsky aus dem Jahre 1912. Es geht um das Geistige in der Kunst und die geradezu mystischen Interdependenzen von Malerei, Musik und Bewegung. Seit Wagner geistert dafür der Begriff „Gesamtkunstwerk“ durch die Ästhetik. Michael Simon, der Bühnenbildner unter anderem von Jiri Kylian und William Forsythe, nahm sich dieses Werkes an. Ballett kann man das Ergebnis reinen Gewissens nicht nennen. Sogar die Bezeichnung Tanz wäre ein unzulässiger Euphemismus. Als Theaterinstallation würde ich es bezeichnen. Und als solche ist es sehr witzig und unterhaltsam, ohne die hehren Ideen Kandinskys zu verraten. Sehr schön: Eine E-Gitarre im Orchestergraben zwischen all den klassischen Instrumenten. Schon allein für diesen Anblick hat sich der Abend gelohnt. Die Musik stammt von Frank Zappa und wird vom Staatsorchester unter Myron Romanul engagiert und pointiert präsentiert.

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Heute bleibt die Glotze kalt, da gehen wir in den Wienerwald

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Ein schöner Abend im Münchner Volkstheater am Montag, den 3. Februar 2014. Das sei gerade mal vorneweg gesagt. Und ein gut besuchter dazu. Das freut einen. Nichts enervierender, als in einem Theater zu sitzen, das kaum Ärsche auf den Sitzen hat. Das voll besetzte Haus erinnert an die gute alte Kammerspiel-Zeit unter Dieter Dorn, bei dem Volkstheater-Intendant Christian Stückl sein Handwerk lernte. Nicht die einzige Reminiszenz. Dorn, so scheints, heißt heute Stückl. Kaum gehts los, färbt sich der Guckkasten gelb, wie weiland häufiger an der Maximilianstrasse. Dem Vergnügen tuts keinen Abbruch. Im Gegenteil. Raiders heißt ja auch jetzt Twix – und schmeckt wie ehedem.

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Philippe Jordan erinnert an Carlos Kleiber

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Wieder ein Abend der Superlative bei den Münchner Philharmonikern. Der Schweizer Dirigent Philippe Jordan begeistert im Gasteig mit einem gewitzt zusammengestellten Konzertabend. Das „Lohengrin“-Vorspiel zum I. Akt der Oper von Richard Wagner eröffnet den Abend. Wer meinte, „Ok Jungs! Kratzt das Ding runter. Der Hauptact ist eh der Ligeti.“, der wird gleich aus seiner Kulturstarre katapultiert. Leise und langsam kommt das Stück daher. Philippe Jordan scheint die Töne streicheln zu wollen. Es ist ein erotisches Vorspiel, das er da hinzaubert. Peu à peu verstärkt sich das Klangvolumen, setzen die einzelnen Orchesterstimmen ein. Wagner klingt wie Ravel. Das „Lohengrin“-Vorspiel als Vorbote des „Bolero“. Sauber ziseliert und doch als einheitliches Ganzes präsentiert. So gelangen schon Carlos Kleiber seine Interpretationen. Da bringen keine Engel den Gral herunter, wie Wagner in einem Begleittext zur Züricher Aufführung wohlanständig züchtig formuliert. Nein, da kleidet ein Meister seines Faches, den Beischlaf in Töne. Zurückhaltendes Anfragen, Anmachen, Aufpeitschen, Ejakulation (Die Becken!) und zärtlich bestätigendes, dankbares in die Entspannung Liebkosen. Wow! Wer wissen will, wie guter Sex geht, der höre sich diese musikalische Interpretation von Philippe Jordan und den Münchner Philharmonikern an.

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Ein Volle(r)-Metzmacher-Event

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Mitten in die Diskussion um den neuen Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev, platzt ein Konzert, das die Erwartungen vieler an einen neuen Chefdirigenten bündelt wie ein Laserstrahl die Energie des Lichtes. Der Hannoveraner Ingo Metzmacher, ehemals GMD in Hamburg und Dirigent des am 9. März dieses Jahres startenden „Ring des Nibelungen“ am Grand Théâtre Genève (Regie: Dieter Dorn, Ausstattung: Jürgen Rose, Dramaturgie: Hans Joachim Ruckhäberle), serviert Alban Berg, Gustav Mahler, Hans Pfitzner und Richard Wagner. Eine musikdramaturgisch klug durchdachte Zusammenstellung, die in der Abfolge die Söhne bzw. Enkel vor dem Urvater positioniert.

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