Ob sich Drohnen lohnen?

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Seit Jahrtausenden versucht der Mensch, seinem Mitmenschen zu schaden, ohne selbst Schaden zu nehmen. Egal ob Kain und Abel, Pfeil und Bogen, Kanonenkugeln, U-Boote, Radar, Bomberflugzeuge, Atombombe; stets sollte durch den eigenen Fernzugriff ein Nahzugriff des „bösen Feindes“ vermieden werden. Die Einführung des Kampfgases im Ersten Weltkrieg verdankte sich ebenfalls dem Argument, lautlos den Gegner ausschalten zu können, ohne eigene Truppen zu gefährden oder gar zu opfern. Wie wir wissen, wurden diese Überlegungen vom Winde verweht. Die Rohrkrepierer der Rüstungskreativität treffen in den seltensten Fällen deren Erfinder und politische Befürworter. Immer hat der normale Soldat oder gar Zivilist die Tötungsphantasmagorien der Macher und Entscheider auszubaden, die sich oft genug dafür gegenseitig mit Verdienstkreuzen behängen.

Rechtzeitig zur hundertsten Wiederkehr des Ausbruches des Ersten Weltkrieges fordert der Bundespräsident von der Bevölkerung eine höhere Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen. Man müsse Verantwortung übernehmen. Die Bundesverteidigungsministerin leistet ihren humanistischen Beitrag mit der Befürwortung von Drohnen, die den Gegner ausspähen und vernichten können – angeblich ohne dabei eigene Soldaten zu gefährden (Déja vu – siehe oben). Der nächste Rohrkrepierer der Vernichtungspraktiker wird so mit großen menschheitsbeglückendem Bohei und freudigem Händereiben der Kassenwarte der Rüstungsindustrie vorangetrieben.

Warum Rohrkrepierer? Nicht nur, weil die Erfahrung der Rüstungsgeschichte zeigt, daß innovative Kriegsprodukte immer nur einen zeitweiligen Vorteil bieten. Und zwar genau so lange, bis der „böse Feind“ dieselbe Technik besitzt. Nein, die Einführung der Killerdrohnen wird dazu führen, daß der Krieg aus der Ferne ins eigene Land geholt wird. Die Unterlegenheit in der Waffentechnik werden die „bösen Feinde“ dadurch auszugleichen versuchen, daß sie in den Orten und Ländern, von denen aus die Mörderdrohnen, weit entfernt von ihren Anschlagszielen, gesteuert werden, kriegerische Aktivitäten entfalten. Auch das Gebiet, in dem sich der Joystick befindet, ist, militärlogisch betrachtet, Kriegsgebiet. Drohnen zum Schutz der eigenen Truppe bringen den Krieg heim ins Land. Ob unsere Wirtschafts- und Polit-Eliten so weit gedacht haben?

Wahrscheinlich werden sich die Entscheidungsträger, wenn es so weit kommt, wieder seitwärts in die Büsche schlagen und durch ein Mietmaul, pardon: einen Pressesprecher, verlautbaren lassen, daß das nicht vorhersehbar gewesen sei und sie das alles doch gar nicht gewollt hätten. Die durch diese wirtschaftliche und politische Verantwortungslosigkeit zerfetzten Menschen wird das nicht wieder lebendig machen können.

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