Über diesen Blog / About this blog

angepinnt

LUTHERS JOURNAL will nicht an der täglichen Wiederkäuerei teilhaben. Daher wird sich der Blog nur langsam füllen – mit Gedanken zu Gesehenem, Gehörtem, Gelesenem und Erlebtem. „Wer über manche Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen“, schrieb Gotthold Ephraim Lessing im 18. Jahrhundert. Angesichts von Finanzkrise, korrupten Managern, regierigen Politikern und der zunehmenden Militarisierung von Herzen und Hirnen aktueller denn je.

Auf der Startseite stehen die neuesten Beiträge oben. Scrollen Sie einfach nach unten.

Zum systematischen Navigieren nutzen Sie bitte die Kategorien und die Schlagwörter in der Seitenleiste links.

English version

LUTHERS JOURNAL doesn’t want to ruminate on the daily news, so this blog will grow slowly. There will be poems, essays, miniplots, reviews, photos and quotes – my cerebral liquorice allsorts. In the 18th century the german poet Gotthold Ephraim Lessing wrote that if you are not driven crazy by certain events you have understood nothing. His statement is astoundingly relevant in the present world situation.

Some texts have been written in both english and german by the author. If you wish to see all of these english texts just click „English“ in categories (Kategorien) or in tags (Schlagwörter) in the sidebar.
The remaining texts written only in german can be roughly translated by using the translation button in the sidebar.

Das Kolumbusgefühl

Standard

Anton Tschechow schrieb einmal in seinen Tagebüchern, daß er keiner politischen Ideologie nachhänge, keiner Revolution, keinem Gott und keine Angst vor Gespenstern oder gar dem Tod habe. Sein Landsmann Gaito Gasdanow scheint ihm darin zu gleichen. Zwei Revolutionen und zwei Weltkriege später. In dem Roman Das Phantom des Alexander Wolf (1947/48) vermittelt sich einem dieser Eindruck. Er resigniert ebenfalls nicht und stellt die existentiellen Fragen: Warum leben wir? Wozu leben wir? Gibt es eine Vorsehung im klassischen Sinne?
Der Roman kam erst vor vier Jahren in einer deutschen Übersetzung heraus. Er fiel mir durch die nachhaltige Empfehlung einer Freundin und eines Freundes in die Hände, die mit ihren Tipps nicht inflationär umgehen. Die Hinweise kamen unabhängig voneinander, so daß ich mir dachte, da muss was dran sein. Gesagt! Getan! Gelesen! weiterlesen

Über die Ma(a)ßen bedenklich

Standard

Generalbundesanwalt, Verfassungsschutz und Bundesregierung scheinen sich einen besonderen Spaß zur Stopfung des Sommerloches ausgedacht zu haben. Um kritischen Journalismus zu behindern, greift man zu putinesken Abschreckungsmethoden ersten Grades. Von Putin lernen, heißt, lupenrein die Demokratie lenken lernen.
Ein bisschen die Keule des Landesverrates schwingen und die Journaille wird schon zurückzucken, so wird man spekuliert haben. Für den Testlauf hat man sich nicht an den großen Fisch „Süddeutsche Zeitung“ getraut, sondern an die Blogger von netzpolitik.org.
Einiges stimmt bedenklich an diesem Vorgehen:

  • Die Geisteshaltung der Amtsträger lässt auf schwere Demokratiedefizite in diesen Kreisen schließen.
  • Demokratie ist ein täglicher Tanz auf des Messers Schneide. Die Verantwortlichen dieser grundgesetzfeindlichen Choreographie jedoch zertrampeln unsere freiheitlichen Werte. Sie berauschen sich selbstsuggestiv mit dem nationalistischen Mantra, dem Lande zu dienen.
  • Die Schamlosigkeit der Kampagne überrascht. Es macht deutlich, welche Register für kommende Auseinandersetzungen revitalisiert werden sollen.
  • Die vollkommen realitätsferne Einschätzung der Verantwortlichen, mit diesem Zündeln an der totalitären Lunte durchzukommen, offenbart, was sie vom Intelligenzniveau der Mehrheit der Öffentlichkeit halten.

In Bertolt Brechts „Leben des Galilei“ weist der Papst seinen Großinquisitor an, dem Wissenschaftler im äußersten Fall die Instrumente zu zeigen, die bei einem Verhör durch die Inquisition angewandt werden. Und der Großinquisitor antwortet Seiner Heiligkeit, daß dies genügen werde, denn der Herr Galilei verstehe sich auf Instrumente.
Die Werkzeuge sind gezeigt. Momentan ruht das Verfahren.
Nachtrag: Inzwischen wurde das Verfahren eingestellt.

Poem 6 – 2015 Ballad and Prose Poem

Standard

Die Fünf-Finger-Ballade

Es sind da noch fünf schlimme Finger
Die machen entsetzlich krumme Dinger
Doch gemach! Gemach! Gemach!
Eines dem anderen nach!

Der Daumen, nein, der schüttelt keine Pflaumen
Er gibt Aufständen und Revolten Halt
Er wird umklammert, wenn die Hand sich reckt
Oder er liegt als Frontmann vor den anderen Vieren

Der Zeigefinger ist der Lehrer
Er bohrt in der Nase und sticht in die Luft
Seine Anweisung macht es leicht oder schwerer
Der Zeige ist ein bequemer Schuft

Der Mittel, o golly, der ist ein Macher
Der pöbelt herum, hat selten Geld
Seine Statements, die sind wirklich der Kracher
Er wird gerne steif und vögelt die Welt

Der Ringfinger, tja, was soll man da sagen
Gibt gern für verderbliche Sachen sich her
Er versklavt viele Menschen und schlägt auf den Magen
Manch einer erkennt sich dann nimmermehr

Und schließlich der Kleine, o Mann, o Mann
Da ist nicht ganz klar, was der so kann
Man weiß nicht wozu? Er ist ja so klein
Doch hat er ’nen Vorteil: Passt überall rein!

Fünferbande werden sie genannt
Alle Fünfe zusammen ergeben: Die Hand
Zwei hat der Mensch und das ist gut
Auch wenn die rechte oft nicht weiß, was die linke tut

Five Fingers – A Prose Poem

Once upon a time five fingers crawled through slime. But stop! Let’s start the natural way. First there is the thumb to whom we often pay attention. Especially when he is leading the fist symbolizing revolutionary mist. The index is a cruel master. He is poking his nose or causing a bluster. The middle really is a dirty maker. He is not the cleanest on the loo but cries out to the world F*** You! The third one is not fun at all. He often tightens up your life and there are guys who use a knife … Pinkie is the last of five and you never know where he will dive but is always welcome everywhere in the inner and the outer sphere. Five fingers are one hand and everyone has two. That rings a bell: All’s well that hands well.

Poem 5 – 2015 Elegy

Standard

An den Küsten von Dementia

Die Nebelschwaden der Erinnerung ziehen durch ein unbewohntes Haus
Du suchst verzweifelt nach dir selbst in dir
Die Welt war da. War es die Welt?
Ein Muskel nach dem anderen lässt sich gehen
Die menschlichen Gezeiten sind noch kaum erforscht
Am Ende wird dein Hirn zu einer Nebelwüste
Durch aufgeplatzte Böden strömt das Nichts
Aus fernen Welten weht ein Klang heran
Der sich an deinem Herz verspreizen möchte
Wie eine Wüstenblume blühst du auf
Dann lachst du wie ein Kind
Und bist sekundenlang der Mensch der du mal warst
In seine Arme nimmt dich Norach nun
Der Hafenmeister auf Dementia
Der Insel auf die keiner will
Von der noch niemand je zurückkehrte
Und die so viel Platz für alle hat
Die aus sich selbst vertrieben werden

The Beaches of Dementia

Misty secrets flash through your mind as on a moviescreen
You can’t catch them. They disappear like steam
Has that been me? Am I alive?
For valid answers you should dive
Into your inner self. Though that is gone
The sphincters refuse obedience. One
After another. The human tides are barely known
Your brain a hyperarid desert. What a mess!
Out of the broken soil flows emptiness
From far away a sweetish melody
Breathes a lovely memory
That wants to wrap your heart
You blossom like a desert flower
Refilled with a sudden childish power
Some seconds you are born again
But every hope is now in vain
For Norach takes you in his patronizing arms
Harbour master of Dementia
Unbeloved island this
Your journey’s point of no return
The only spot where you can burn
Your mind to
Peace

Poem 4 – 2015 Das Tier / The Beast

Standard

Abends erwacht das Tier in mir
Bei Zigarren und einem Gläschen Bier
Dann zieh ich meine Höllenkreise durch die Pubs
Ab neun kommt Schnaps dazu
Um elf da leck ich meine Wunden
Ein Uhr meld ich mich bei Dir
Man könnte doch vielleicht … trotz … und so weiter
Doch Du legst auf. Also
Weiter auf der Höllenleiter
Drei Uhr geht nichts mehr rein 
Im Gegenteil. Die Seilschaft der Gedärme zwingt zur Pause
Auf allen vieren gehts nach Hause
Die Kleider verklebt und stinkend weit verstreut
Zieh ich mir noch einen rein
Der letzte Kreis der Hölle ist erreicht
Er liegt in mir
In seinem Zentrum schläft berauscht beglückt
Das Tier

IMG_20150219_111806

My beast is rising after dinner
With good cigars and beer
The roadtrip to hell leads through the pubs
Nine o’clock joins me comrade Schnaps
At eleven I fondle my wounded soul
And one o’clock I start to howl
A filthy whinging desultory call
For you … who cuts the line
Okay! Henceforward deeper down the ladder
Dreaming of Lady Godiva
I’m rolling in my saliva
Puked all over and stinky
I take a funky final shot
Reaching hell’s sweltering spot
Which is the very center of mine
Where pauses in his forlorn decline
My beast.

IMG_20150219_175321

Poem 3 – 2015 Acrostic

Standard

Sieg des Vertrauens

Vertrauen verschenkt man
Im blinden Vertrauen steckt der
Charme der vertrauensseligen Naivität
Tödliches Gift ist enttäuschtes Vertrauen
Oft empfunden als Vertrauensbruch
Reines Urvertrauen ist selten wie das
Ypsilon in der vertrauten Sprache Deutsch

Y – The last bit of Germany

Generosity often demands an
Entirely trustworthy heart
Resentment will not help
Many times mankind tried to
Abolish the gravity of melancholy
Never succesfully though
Yoho – let’s try it again!